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Mittwoch, 3. August 2011

Gedanken zur Nacht

Es gibt ein Buch, das mir so unendlich viel bedeutet, dass ich es immer und immer wieder lese. Zwar mit größeren Abständen dazwischen, aber es gibt mir jedesmal so viel zurück, lässt mich nachdenken und zeigt mir neue Blickwinkel. Meditation zum Lesen...

Hermann Hesse, Siddhartha

Auch jetzt habe ich es wieder bei mir, und nach einem langen und ereignisreichen Tag habe ich es einfach irgendwo aufgeschlagen.

Die erste Stelle, die ich beim Aufklappen wahrgenommen habe, war diese hier:

"...und das Vergangene erschien ihm wie von einem Schleier überzogen, unendlich fern, unendlich weit weg gelegen, unendlich gleichgültig. Er wußte nur, dass er sein früheres Leben (im ersten Augenblick der Besinnung erschien ihm dieses frühere Leben wie eine weit zurückliegende, einstige Verkörperung, wie eine frühe Vorgeburt seines jetziges Ich) - dass er sein früheres Leben verlassen habe..."

Manchmal ist mir "mein Hermann" richtig unheimlich... ich lese dann mal noch ein bisschen weiter ^^

Montag, 20. Juni 2011

gelesen: Anne Rice, Chroniken der Vampire (Teil 1 und 2)

Bei einem der letzten Gänge in eine Buchhandlung konnte ich meiner Bücherkaufsucht erneut nicht widerstehen, und es kamen die ersten beiden Bände der Chroniken der Vampire mit in die heimische Bibliothek.

Im Teil 1, "Interview mit einem Vampir", bricht der Vampir Louis mit einem der wichtigsten Gesetze der Vampire - er erzählt einem Sterblichen der Gegenwart seine Geschichte und sein sterbliches sowie unsterbliches Leben im New Orleans und Paris des späten 18. Jahrhunderts. Die Geschichte um Liebe und Hass kennt vermutlich fast jeder - wenn vielleicht auch nur durch die Verfilmung mit Brad Pitt, Tom Cruise und Antonio Branderas. Ehrlich, so ging es mir auch bis jetzt. Um so erstaunter war ich, wie gut mir das Buch gefallen hat (und wie detailliert sich der Film am Buch orientiert). Großes Kopfkino (wenn auch etwas beeinflußt durch den Film) und auf jeden Fall lesenswert!


Und weil mir das Buch so gut gefallen hat, kam Teil 2 gleich hinterher. Im "Fürst der Finsternis" wird erneut eine Lebensgeschichte erzählt, diesmal ist allerdings der Vampir Lestat, der Schöpfer von Louis, die Hauptperson. Nebenbei erfährt man auch noch einiges über das Leben eines der ältesten Vampire (Marius), sowie über die Schöpfungsgeschichte der Vampire, die bis auf Akasha und Enkil, altägyptische Herrscher, zurückgeht.
Leider ist dieser Roman streckenweise recht anstrengend und langatmig. Die Teile über das Leben des Marius im Alten Rom und den Kelten sowie die altägyptischen Legenden fand ich dann noch am interessantesten. Nichtsdestotrotz - wer sich für Vampire und alte Legenden interessiert, sollte sich dieses Buch mal anschauen.



Die Chroniken der Vampire bestehen aus insgesamt 10 Romanen, die durch weitere Romane und "Biographien" ergänzt werden. Ob ich mir die wirklich alle zulegen werde, weiß ich allerdings noch nicht. Bereits Teil 2 hatte seine Schwächen, und ich fürchte einfach, dass die Wiederholungen zunehmen werden. Teil 3 ("Königin der Verdammten") habe ich aber schon bestellt.

Kennt ihr weitere Bände der Chroniken? Welche würdet ihr mir noch empfehlen?

Samstag, 21. Mai 2011

gelesen: Alan Bradley, The Weed that Strings the Hangman's Bag

"I was lying dead in the churchyard. An hour had crept by since the mourners had said their last sad farewells."



Dramatisch beginnt der zweite Teil der Reihe um Flavia de Luce, den ich diesmal im Original gelesen habe. Nach "Mord im Gurkenbeet" ist die Fortsetzung im Deutschen unter dem Titel "Mord ist kein Kinderspiel" erschienen.

Doch wer noch in der Mitte des ersten Kapitels denkt, dass es mit Flavia zu Ende gegangen ist, und daher lieber nicht weiterlesen will, dem sei versichert, dass das sympathisch-nervige Kind nur mal wieder einem Tagtraum nachgeht, aus dem es durch die Ankunft eines bekannten Puppenspielers mit seiner Assistentin gerissen wird. Auch ein Mordfall ist nicht weit, denn der Puppenspieler wird während einer Aufführung ermordet. Die Gelegenheit zur erneuten Zusammenarbeit mit der Polizei lässt sich die kleine Giftmischerin nicht entgehen, denn Verdächtige gibt es genug. Doch mit der Zeit stellt sich heraus, dass es noch sehr viel mehr Verdächtige gibt, als ursprünglich angenommen. Und ganz nebenbei löst Flavia auch noch das Geheimnis um den Tod eines kleinen Jungen, der vor vielen Jahren erhängt im Wald gefunden wurde...

Im Oktober wird der dritte Teil in Deutschland erscheinen ("Halunken, Tod und Teufel"), aber vielleicht bestelle ich dann doch wieder das englische Original, weil ich so lange ohnehin nicht warten kann... :)

Habt ihr schon was mit Flavia gelesen? Wie findet ihr sie?

Mittwoch, 18. Mai 2011

getagged: 100 Bücher die man gelesen haben sollte

Bei Mareike habe ich diese Liste gefunden und als ausgewiesene Leseratte musste ich doch gleich mal mitmachen.

Wobei ich mich immer wieder frage, wer (und nach welchen Kriterien) eigentlich bestimmt, welche Bücher man gelesen haben sollte - oder eben nicht...

schwarz-fettgedruckt: habe ich gelesen
rot fett gedruckt: nur als Hörbuch gehört
grün fett gedruckt: nur als Film gesehen


1. Der Herr der Ringe

2. Die Bibel  (zumindest Teile)

3. Die Säulen der Erde, Ken Follett

4. Das Parfum, Patrick Süskind

5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry

6. Buddenbrooks, Thomas Mann

7. Der Medicus, Noah Gordon

8. Der Alchimist, Paulo Coelho

9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling

10. Die Päpstin, Donna W. Cross

11. Tintenherz, Cornelia Funke

12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon

13. Das Geisterhaus, Isabel Allende

14. Der Vorleser, Bernhard Schlink

15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe (ich finde den zweiten Teil sehr viel besser)

16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón

17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen

18. Der Name der Rose, Umberto Eco

19. Illuminati, Dan Brown

20. Effi Briest, Theodor Fontane

21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling


22. Der Zauberberg, Thomas Mann

23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell

24. Siddharta, Hermann Hesse (bestimmt schon 5 mal, ist mein Lieblingsbuch)

25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch

26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende


27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn

28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt

29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse

30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley

31. Deutschstunde, Siegfried Lenz

32. Die Glut, Sándor Márai

33. Homo faber, Max Frisch

34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny

35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera

36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez

37. Owen Meany, John Irving

38. Sofies Welt, Jostein Gaarder

39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams

40. Die Wand, Marlen Haushofer

41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving


42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez

43. Der Stechlin, Theodor Fontane

44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse

45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee

46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann

47. Der Laden, Erwin Strittmatter

48. Die Blechtrommel, Günter Grass

49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque

50. Der Schwarm, Frank Schätzing

51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks

52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling


53. Momo, Michael Ende

54. Jahrestage, Uwe Johnson

55. Traumfänger, Marlo Morgan

56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger


57. Sakrileg, Dan Brown


58. Krabat, Otfried Preußler

59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren

60. Wüstenblume, Waris Dirie

61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro

62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson

63. Mittsommermord, Henning Mankell


64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell

65. Das Hotel New Hampshire, John Irving

66. Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi

67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse

68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher

69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling


70. Tagebuch, Anne Frank

71. Salz auf unserer Haut, Benoite Groult

72. Jauche und Levkojen, Christine Brückner

73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen

74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann

75. Was ich liebte, Siri Hustvedt

76. Die dreizehn Leben des Käpt'n Blaubär, Walter Moers

77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé

78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt

79. Winnetou, Karl May

80. Désirée, Annemarie Selinko

81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig

82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving

83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë

84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern

85. 1984, George Orwell

86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy

87. Paula, Isabel Allende

88. Solange du da bist, Marc Levy

89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johanns Mario Simmel

90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho

91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell

92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow

93. Schachnovelle, Stefan Zweig

94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski

95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi

96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski

97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas

98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel

99. Jane Eyre, Charlotte Brontë

100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood



Die Bilanz:

56 x gelesen
12 x als Film gesehen
32 x ungelesen

Wobei - meiner Meinung nach - in dieser Liste einiges fehlt:

Roots (Wurzeln), Alex Haley

Der Untertan, Heinrich Mann

Die Stadt der Blinden, José Saramago

Fahrenheit 451, Ray Bradbury

Don Quijote, Miquel de Cervantes

Der alte Mann und das Meer, Ernest Hemingway

(um nur einige zu nennen)

Im Gegenzug verstehe ich die vielen Bücher mit Harry Potter nicht, die in der Liste sind. Gut, ich habe nur einige der Filme gesehen, aber selbst wenn die Bücher wirklich gut sein sollten, hätten ein oder zwei Bände in dieser Liste sicher gereicht. Naja, ist eben auch immer Geschmackssache :)

Zumindest wurde ich wieder daran erinnert, dass ich langsam wirklich mal was der Brontë-Schwestern lesen sollte, das steht schon länger auf meiner Liste. Außerdem wieder auf der Liste nach oben gerutscht: Erwin Strittmatter und John Irving.

Wie sieht eure Bilanz aus?

Sonntag, 24. April 2011

Lesetipp: Martin Klein/ Ute Krause: Rita das Raubschaf

Dieses zauberhafte kleine Büchlein wird meine Nichte heute im Osternest finden.

Da ich es gestern noch schnell selbst gelesen habe (Man muss ja prüfen, was man so verschenkt ^^), und für extrem zauberhaft befinde, möchte ich es Euch noch ans Herz legen - als Geschenktipp für kleinere Kinder (zum Vorlesen) und größere Kinder (zum Selberlesen).


Das Schaf Rita entflieht der öden Tagtäglichkeit des Weidens und Streitens mit dem Schäferhund Boris durch Tagträume: als Raubschaf in bester Piratentradition des Klaus Störtebeckers macht sie die Sieben Weltmeere unsicher. Das Ziel: die unbezaunten Weiden Australiens. Unterstützung erfährt sie durch das Stimm-Imitations-Wunder Ruth, ein Rosettenmeerschwein, dass sich gegen unliebsame Süßfinder und Kuschelattackierer mit unerwarteten Grunzen und Grölen zur Wehr setzt. Und das so durchdringend, dass ihr sogar die Flucht gelingt.
Beim Zusammentreffen mit Rita stellen beide fest, dass sie Schwestern im Geiste sind, denn auch Ruth träumt davon, als Raubrosettenmeerschwein die Meere zu befahren. Ihr Ziel: die käfiglosen Weiten Südamerikas.

Kurze Zeit später machen sich beide tatsächlich auf den Weg, um ihre Mannschaft anzuheuern. Doch das ist schwerer als erwartet, so dass sie sich am Ende doch für eine Zwei-Mann-Mannschaft entscheiden. Dabei gelingt die Flucht vor einem Rudel Hunde leider doch nicht, was sich am Ende aber als Glückgriff entpuppt. Denn es handelte sich um eine Filmcrew, die die beiden Mädels nicht nur als Hauptdarsteller ihres Piratenfilms engagieren, sondern auch zu weltberühmten Stars machen, die die ganze Welt bereisen.

Aber am Ende ist es wie so oft: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Fans wollen schon wieder nur knuddeln, die Weiden Australiens sind zwar nicht eingezäunt, die Schafe aber trotzdem nicht frei, und im käfiglosen Südamerika gelten Meerschweine als Delikatesse. So ziehen sich beide zurück - und niemand weiß wohin...

Eine wirklich zauberhafte Geschichte, die da auf 94 Seiten erzählt und mit entzückenden Illustrationen bebildert wurde. Schaut es Euch mal an - die Kinder Eurer Umgebung werden sich garantiert freuen :)

Donnerstag, 31. März 2011

neu im Bücherregal

In Quedlingburg wurde nicht nur das wunderbare Wetter und die leckeren Waffeln genossen, sondern auch ausgiebig in den Geschäften gestöbert.

Fündig wurde ich in einer wirklich traumhaften Buchhandlung, die nicht nur aktuelle Titel anbietet, sondern auch eine unheimlich große Auswahl an antiquarischen Büchern führt.

Mitgenommen habe ich:

 Sina Beerwald, Das Mädchen und der Leibarzt: Historischer Roman, der in und um Quedlinburg und dem Stift spielt. Bin sehr gespannt.


 Alexandre Dumas, Zehn Jahre später:  Die Abenteuer der legendären drei Musketiere werden weiter verfolgt. Eine Ausgabe von ca. 1915.

Hermann Hesse, Diesseits: verschiedene Erzählungen meines Lieblingsautoren. Soweit ich es überblicke, kenne ich die meisten Geschichten tatsächlich noch nicht. Und selbst wenn, diese alte Ausgabe von 1907 war es in jedem Fall wert, mitgenommen zu werden.

Sonntag, 20. März 2011

gelesen: Rudyard Kipling, Das Dschungelbuch

Mogli, Baghira, Balu und Kaa sind wohl Figuren, die fast jeder kennt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich sie bisher nur aus dem Disney-Film kannte. Ein großer Fehler, denn die Original-Geschichte ist sehr viel zauberhafter und lehrreicher als der Film...

 

"Es war sieben Uhr an einem sehr warmen Abend in den Seoni-Hügeln, als Vater Wolf aus seiner Tagesruhe erwachte, sich kratzte und eine Pfote nach der anderen reckte, um sich den Schlaf aus den Gliedern zu schütteln. Mutter Wolf lag da und hatte ihre große graue Schnauze über die vier durcheinanderpurzelnden, fiependen Jungen gestreckt."

So beginnt die Geschichte um Mogli und seine Freunde und Feinde. Die Tiere können zwar alle sprechen, bzw. sich untereinander verständigen, werden aber nicht vermenschlicht, sondern bleiben die wilden Tiere, die sie sind. Und so merkt man, dass es im scheinbar wilden Dschungel doch ungeschriebene Gesetze gibt, die das Leben der Tiere miteinander regeln und möglich machen.

Zu diesen Regeln und Gesetzen gehört, dass man vor sich vor Übergriffen schützen und um Hilfe bitte kann, selbst - selbst denjenigen, der einen gerade angegreift. Das Gesetz des Dschungels gebietet, dass man niemanden etwas antun darf, der den Schutzsatz "Wir sind von einem Blut, du und ich." in der entsprechenden Sprache beherrscht.

Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der im Film recht faule und träge Bär Balu der Lehrer der jagenden Völker ist, und nicht nur die jungen Wölfe, sondern auch Mogli unterrichtet?

Zudem sind in dem Buch weitere Geschichten um den indischen Dschungel sowie die Robben vor einer Insel in der Beringsee vereint.

Kipling hat eine wunderbare Sprache die einen direkt in eine andere Welt trägt. Kostprobe gefällig? In der Geschichte "Tumai von den Elefanten", in der der kleine Junge Tumai ein großes Abenteuer mit seinem Elefanten-Freund Kala Nag erlebt, habe ich diese wunderbare Stelle gefunden:

"Endlich legten sich die Elefanten einer nach dem anderen hin, wie es ihre Art ist, bis ander äußersten rechten Seite der Pferche nur noch Kala Nag stand; er wiegte sich langsam von einer Seite zur anderen und streckte die Ohren vor, um dem Wind zu lauschen, der ganz sacht über die Hügel strich. Die Luft war voller Nachtgeräusche, die zusammengenommen eine große Stille ausmachen - das Klicken der Bambusstangen, das Geraschel von etwas lebendigem im Unterholz, das Kratzen und Krächzen eines halbwachen Vogels - Vögel sind in der Nacht viel öfter wach, als wir glauben -, und ganz, ganz weit entfernt das Rieseln von Wasser. Der Kleine Tumai schlief eine Weile, und als er aufwachte, war es vom Mondlicht strahlend hell, und Kala Nag stand immer noch da und spitzte die Ohren. Der Kleine Tumai drehte sich um, raschelte im Stroh, und betrachtete den Bogen von Kala Nags riesigem Rücken vor dem Sternenhimmel; und während er so schaute, hörte er das Trompeten eines wilden Elefanten, so weit weg, dass es nicht lauter klang als der Nadelstich eines Geräuschs, das durch die Stille gepikst wird."

Schön, oder?

Montag, 14. März 2011

gelesen: Ann Granger, Neugier ist ein schneller Tod

"Der Mann mir gegenüber im Erster-Klasse-Abteil trug einen glänzenden schwarzen Zylinderhut, der vom Deckel bis zum Rand mit einem glänzenden weißen Seidentuch drapiert war. Es bewegte sich anmutig fließend in der sanften Luftströmung und erweckte den Eindruck, die im Übrigen würdevolle Erscheinung des Fremden könnte von einem Augenblick zum anderen levitieren und über unsere Köpfe hinweg entlang der Gepäckablage schweben."


So beginnt der Kriminalroman "Neugier ist ein schneller Tod" von Ann Granger, der zweite Teil der Lizzie Martin- und Benjamin Ross-Reihe (Teil 3 ist bereits erschienen), der in der Mitte des 19. Jahrhunderts im ländlichen England spielt. Die altmodische Sprache wird konsequent im gesamten Roman beibehalten, was zum Plot der Story und der Erzählung aus der Sicht verschiedener Personen richtig gut passt. Es wirkt zu keiner Zeit aufgesetzt, sondern erinnert im Stil direkt an die Erzählungen von Charles Dickens. Sehr passend also.

Man kann die einzelnen Bände der Reihe offenbar gut unabhängig voneinander lesen, denn den ersten Teil kenne ich auch nicht. Und trotzdem wird recht schnell klar, dass sich die junge Lizzie und der Inspector von Scotland Yard, Benjamin, bei einem anderen Mordfall kennen- und liebengelernt haben. Lizzie agiert dabei in bester Miss Marple-Manier: Lösen von komplizierten Fällen und Zusammenhängen durch genaue Beobachtungen und ein bisschen Glück und Zufall.

Diesmal geht es um eine junge Mutter, ein vermutlich verstorbenes Baby und einen toten Rattenfänger. Wie das ales zusammenhängt, was der so interessante Dr. Lefebre (der in dem eingangs vorgestellten Zitat beschrieben wird) mit dem Fall zu tun hat und welche Verwicklungen sich ergeben, wird nicht verraten :)

Ein netter Krimi, leicht zu lesen, spannend aufgebaut und durch den altmodischen Stil durchaus reizvoll. Die weiteren Folgen der Reihe werde ich mir allerdings eher in der Bibliothek ausleihen und nicht unbedingt kaufen.

Mittwoch, 9. März 2011

gelesen: Tim Davys, Amberville

"An einem späten Vormittag Ende April hämmerte jemand an die Wohnungstür von Eric Bär und Emma Kaninchen in der ziegelroten Uxbridge Street. Der Morgenregen hatte aufgehört, der Wind hatte sich gelegt und die Sonne schien wieder auf Mollisan Town."


Eine Stadt, die nur von Plüschtieren verschiedenster Arten bevölkert wird, die dort  leben, lieben und arbeiten. Immer in der Angst, von den roten Lieferwagen abgeholt zu werden, was in der Welt der nahezu unsterblichen Plüschtiere mit dem Tod gleichzusetzen ist. Es kursieren Gerüchte, dass es eine Todesliste gibt, doch keiner weiß, ob die Liste nur eine Legende ist und wer sie eigentlich führt.

Der Kasinobesitzer Nicholas Taube hat nun erfahren, dass er vermutlich auf dieser Liste steht und beauftragt Eric Bär, unter Androhung der Zerstörung seines behaglichen Lebens mit Emma Kaninchen, damit, die Liste zu finden und seinen Namen zu streichen. Nun beginnt das große Abenteuer, dass Eric Bär nicht nur mit seinen Kumpanen Marek Schlange, Sam Gazelle und Tom-Tom Krähe zusammenbringt, sondern auch wieder in die Abgründe der Amberviller Gesellschaft führt.

Ein zauberhafter Kriminalroman mit konsequent "plüschigen" Hauptdarstellern (denen keine Knochen brechen, sondern eben Nähte aufplatzen), die dennoch irgendwie sehr menschlich in ihren Handlungen und Begehren sind. Spannend nicht nur durch die Suche nach der Liste, sondern auch durch die undurchsichtigen Familienbeziehungen Eric Bärs zu  seinem Zwillingsbruder Teddy Bär (!) und dem Verhältnis zu Emma Kaninchen, die auch etwas zu verbergen hat.

Wirklich lesenswert :)

Dienstag, 8. März 2011

gelesen: Kenny Ball, Blowing my own Trumpet

Die Autobiographie von der lebenden Jazz-Legende Kenny Ball, geschrieben nach mehr als 45 Jahren aktiver Karriere.


Voll von persönlichen und beruflichen Geschichten, Anekdoten und größeren und kleineren Katastrophen, Höhen und Tiefen, wird es erzählt, als säße man mit Kenny und  seinen Jungs irgendwo bei einem Glas Bier zusammen. Sicherlich wurde mehr Wert auf die  Höhen des Lebens gelegt, aber wer von Louis Armstrong als Genie bezeichnet wird, und auf der Hochzeit von Prinz Charles und Lady Di  gespielt hat, der darf das auch :)

Danke Kenny, für diese Einblicke in Dein Leben und das der Jazzmen, über die du so liebevoll schreibst und erzählst.

♥

Freitag, 25. Februar 2011

gelesen: Maxim Gorki, Der Einsiedler

"Der Einsiedler" ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die zwischen 1923 und 1935 entstanden sind.


Das Lesen war wie eine Zeitreise: mitten hinein in das Russland der Revolution, in die armen Dörfer, in die dunklen und feuchten Kellerwohnungen, in die Versammlungen der Revolutionäre und die Stuben der Leute. Gorki schreibt über die üblen Zustände seiner Zeit, die öffentlichen Auspeitschungen, die Hinrichtungen, die schlimmen Zustände der Krankenversorgung und Hygiene, und doch merkt man, dass er sein Heimatland liebt.

Keine leichte Kost, aber sehr interessant und lehrreich.

Mittwoch, 16. Februar 2011

gelesen: David and Charles Livingstone, Expedition to the Zambesi

Narrative of an Expedition to the Zambesi and its Tributaries; 
And of the Discovery of the Lakes Shirwa and Nyassa. 


Langer Buchtitel, lange Lesezeit. Angefangen hatte ich im März 2010, so richtig intensiv und konsequent bin ich seit dem Jahreswechsel wieder dabei. Eigentlich erstaunlich, dass ich mich mit diesem Buch so sehr gequält habe, denn es ist gut und detailliert geschrieben und das Thema interessiert mich auch...

David und Charles Livingstone haben Mitte des 19. Jahrhunderts eine ausgedehnte Expedition durch Ost- und Zentralafrika durchgeführt um dem Flußlauf des Sambesi zu folgen. Mit im Team: verschiedene Wissenschaftler und Ärzte, alle ausgerüstet mit Mut und Abenteuerlust. Denn die Entbehrungen, Krankheiten und kriegerischen Auseinandersetzungen (hauptsächlich mit den Portugiesen), die die Männer durchstehen mussten, waren ohne eine ordentliche Portion Idealismus nicht zu überstehen.

Was dieses Buch so reizvoll macht: es ist eine Reisebeschreibung mit genauen Angaben zur Route und den Widrigkeiten des Weges/ Flusses, es ist eine Beschreibung von Geologie und Geomorphologie sowie Flora und Fauna der durchquerten Landstriche, es werden ethnologische Beobachtungen angestellt und Sitten und Bräuche der Eingeborenen erklärt und Zusammenhänge vermutet, die heutzutage selbstverständliches Wissen sind (größere "Wolken" von Moskitos wurden bspw. als Anzeiger für Malariagebiete identifiziert - dass diese kleinen Biester die Überträger sind, war den Männern noch nicht bekannt). Dabei standen die Autoren und ihre Mitreisenden den Eingeborenen immer vorurteilsfrei gegenüber, die zu dieser Zeit gebräuchliche überhebliche Art der "Weißen" sucht man hier vergebens.

Aber vielleicht ist es auch gerade diese Detailverliebtheit und Wissenschaftlichkeit, die das Lesen teilweise so anstrengend gemacht hat. Man möchte ja möglichst viel aus den Beschreibungen mitnehmen, zumal der Schreibstil oft humorvoll ist und voller Anekdoten.

Kann ich eine Leseempfehlung geben? Ja, wenn man ein gewisses Interesse für das Thema mitbringt. Und Englisch sollte man auch können, eine Übersetzung des Buches habe ich nicht gefunden.

Wer sich für eine Kurzbiographie des Forschungsreisenden David Livingstone interessiert, sei auf die Website der National Geographic Deutschland hingewiesen.

Samstag, 5. Februar 2011

gelesen: Jim Lee/ Frank Miller, All Star Batman

Manchmal muss es eben auch mal ein Comic sein :)


Im Heft enthalten: die ersten sieben Folgen der Batman All Star Reihe, die in Kennerkreisen recht kontrovers diskutiert werden (soweit ich das mitbekommen habe und beurteilen kann ^^ ich habe nämlich null Ahnung von Comics ^^). Denn dieser Batman hier ist unrasiert, schlecht gelaunt, brutal, gefährlich und ziemlich durchgeknallt. Eigentlich schon ziemlich nahe dran am Wahnsinn - wenn nicht schon einen Schritt weiter :D


Und genau das mag ich so an ihm. Mit diesen weichgespülten Superhelden, die immer nur gut sind, kann ich nicht viel anfangen. Oder diese Batman-Serie aus den 60er (?) Jahren mit *bähm* *uuh* und ähnlichem. Aaargh! Mir hat auch Batman - The Dark Knight (mit Christian Bale) von den Filmen her am besten gefallen.

Habt ihr Lieblingscomic"helden" (können auch die Antihelden sein)?

Freitag, 4. Februar 2011

gelesen: Alan Bradley, Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet

"Im Wandschrank war es dunkel, und die Dunkelheit hatte die Farbe von altem  Blut."


Ganz schön blutig, der Anfang von der Geschichte um die kleine chemiebegeisterte, liebevoll "Giftmischerin" genannte Flavia de Luce und dem Mord, der ihr Elternhaus in helle Aufregung versetzt. Flavia schafft es in bester Miss Marple- und Sherlock Holmes-Manie den Mordfall zu lösen und den Täter zu entlarven, leider nicht ohne selbst in tödliche Gefahr zu geraten. Doch zum Glück sind ihre Lieben von zu Hause und auch die Polizei nicht ganz so vertrottelt wie in vergleichbaren Geschichten, so dass am Ende alles gut wird.

Ein ganz zauberhafter und liebevoll geschriebener Krimi, dessen Übersetzung aus dem Englischen wirklich gelungen scheint. Man erkennt nämlich auch noch in der deutschen Fassung den herrlichen englischen Wortwitz (obwohl der im Original vermutlich noch besser wäre, aber immerhin :)). Zudem lernt man ganz nebenbei noch eine Menge über die Entwicklung des englischen Postsystems und der Briefmarken.

Fazit: Klare Leseempfehlung. Und die nachfolgenden Bücher der Flavia-Reihe werde ich mir in jedem Fall auch noch besorgen (bisher noch erschienen: Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel; ich hoffe auf weitere Bände!)

Mittwoch, 2. Februar 2011

gelesen: Cornelia Funke, Tintenherz

"Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen."


So beginnt Tintenherz, der erste Teil der Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke. Ein wirklich spannendes Buch über gute und schlechte Menschen, Menschen, die Bücher lieben und pflegen und solche, die Bücher verbrennen. Faszinierend: die Fähigkeit, Personen und Dinge aus Geschichten herauslesen zu können. Einziges Problem: um das Gleichgewicht der Welten zu erhalten, verschwindet für jede herausgelesene Person jemand aus unserer Welt im Buch. 
Die Zeit hatte schon geschrieben "Eine Liebeserklärung an das Buch." - dem kann ich mich voll und ganz anschließen. Allerdings ist es ja eigentlich als Kinderbuch gedacht, aber damit hätte ich meine Problem. Ein Jugendlicher kann sicher damit was anfangen, aber ein Kind bis 10 oder 11 Jahren würde vermutlich Alpträume bekommen (Verlust der Mutter, vergebliches Warten auf die Rettung durch den Vater, das erst am Ende wieder gut wird usw.). 
Auf jeden Fall macht das Buch Lust auf die weiteren Bände. :)

Noch eine kleine Anmerkung, da ja die Verfilmung vor ein paar Wochen im Fernsehen lief: Die Verfilmung war nett gemacht, ohne Frage. Aber sie kommt nicht an das Buch heran.

Leseempfehlung: ja, auf jeden Fall!

Montag, 24. Januar 2011

Konzert: The Three B's in der Magdeburger Stadthalle

Ach, schön war es :)

Auch wenn Chris barber, Acker Bilk und Kenny Ball mittlerweile alte Herren sind, sie lieben und leben (!) den Jazz einfach, es ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Und diese Liebe zu ihrer Musik spürt man eben auch in jeder Note, die sie spielen.

Ganz besonders gilt das natürlich für Kenny und seine Jazzmen - aber die sechse haben sowieso einen besonderen Platz in meinem Herzen ^^

Leider war das Licht und die Entfernung zur Bühne (trotz erster Reihe) nicht so richtig optimal für Bilder. Daher nur einige Eindrücke:
Big Chris Barber Band


Acker Bilk and the Paramount Jazzband

Kenny Ball and his Jazzmen



Im Anschluss (und zwischendurch in den Pausen) wurde noch viel geschwatzt und geherzt. Eine große Überraschung hatte Kenny dann noch für mich: ein signiertes Exemplar seiner Autobiographie.

Lieben Dank, ich freue mich sehr!



Bis zum nächsten Wiedersehen!


Donnerstag, 20. Januar 2011

Fragebogen für Leseratten und Bücherwürmer

Diesen Fragebogen habe ich gerade bei Juney entdeckt, und finde den so wunderbar, dass ich ihn auch gleich ausfüllen musste :)


Gebunden oder Taschenbuch?
Ich mag beides. Gebundene Bücher sind unheimlich edel, vor allem, wenn sie in Leinen oder sogar Leder gebunden sind. Sieht schön aus und fasst sich gut an. Leider sind sie aber auch schwer - und teurer. Daher greife ich auch oft zu Taschenbüchern, vor allem, wenn ich nicht ganz sicher bin, ob ich das Buch auch mögen werde. Eine wunderbare Alternative: die Geschenkbücher aus dem Fischer-Verlag: klein, handlich und liebevoll gebunden.

Amazon oder Buchhandel?
Zum Stöbern: Buchhandel. Da kaufe ich auch die meisten Bücher. Amazon nutze ich auch gern, aber das sind dann eher kurz entschlossene Käufe oder lang-ersehnte.

Lesezeichen oder Eselsohr?
Lesezeichen! Immer! Einem Buch sollte man nicht weh tun.

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
Ich habe nur eine grobe Gliederung nach Genres in meiner "Bibliothek": Afrika, Märchen, Reiseliteratur, Kunst, Biografien und Allgemeines (die größte Gruppe). Innerhalb der Genres sind die Bücher nach Autor und Titel geordnet.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Behalten oder verschenken. Wegwerfen ist Mord an Büchern, mag ich gar nicht. Dann lieber mit einem Zettel versehen in der Bahn liegen lassen für den nächsten Leser oder an Sammelstellen abgeben. Aber die meisten Bücher bleiben bei mir - ich wähle sie ja schließlich mit Bedacht aus :)

Kurzgeschichte oder Roman?
Roman. Aber Kurzgeschichten mag ich auch. Nicht so meins: Lyrik.

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Ehrlich gesagt, ich kenne beide nicht...

Kaufen oder gebraucht?
Neue Bücher sind toll. Erst- oder Zweitausgaben, die älter als 50 Jahre sind, sind toller :) Von meinem Lieblingsautoren habe ich mittlerweile etliche frühe Ausgaben zusammengesammelt. Und bin sehr stolz drauf.

Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Ich nutze alles.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Geschlossenes Ende. Wenn es ein Mehrteiler ist, dürfen die Bände (bis auf den letzten!) gern Cliffhanger sein.

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Morgens, mittags, nachmittags, abends, nachts... wann immer ich ein paar Minuten Zeit habe, lese ich.

Lieblingsbuch des vergangenen Jahres?
Am beeindruckensten: John Boyne "Der Junge im gestreiften Pyjama". Am schönsten zu lesen: Triologie von Carol Berg "Transformation", "Revelation", "Restoration".

Welches Buch liest du gegenwärtig?
Cornelia Funke: "Tintenherz"

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Das ist schwierig... Es gibt einige, die diesen Titel verdient hätten. Und deshalb nenne ich auch einige: Hermann Hesse "Siddhartha", Hermann Hesse "Glasperlenspiel", George Orwell "1984", Alex Haley "Roots", Miguel de Cervanets "Don Quijote", Elisabeth Kostova "Der Historiker".
Aber wenn es wirklich nur eins sein darf: Siddhartha :)

Mittwoch, 12. Januar 2011

Neu im Bücherregal: Tintenherz

Was passiert, wenn Feder morgens völlig verplant loshetzt und erst in der S-Bahn merkt, dass ihr das Wichtigste für die Fahrt fehlt? Richtig: auf die Uhr schauen, rechnen ob die Zeit noch reicht, bei nächster günstiger Gelegenheit aussteigen und das Wichtigste für die Fahrt kaufen: Ein Buch!

Ehrlich, ich bin so verrückt. Ich kann nicht ohne Lesestoff in der Bahn sitzen. Selbst wenn es nur wenige Stationen sind, das Buch wird ausgepackt. Und wenn ich mal nichts dabei habe, so wie heute Morgen, werde ich echt grummelig.

Aber es ist ja alles noch mal gut gegangen :)

Ausgesucht habe ich mir übrigens die Taschenbuchversion von Cornelia Funkes Tintenblut.


Das wollte ich schon länger mal lesen, und da morgen die Verfilmung im Fernsehen läuft, passt das ganz gut, damit ich schon mal einen Eindruck von der Geschichte habe. Ich habe meist ein sehr genaues Bild der Protagonisten eines Buches im Kopf, wenn ich lese. Und wenn ich vorher schon den Film gesehen habe, wird das Bild gestört. Dann überlagert sich meine Vorstellung mit den Schauspielern, und das nervt ganz schön :)

Um aber noch mal auf die Tintenwelt-Triologie zurückzukommen: ich finde es merkwürdig, dass nur der erste Teil als Taschenbuch herausgekommen ist. Laut der Buchhändlerin ist es wohl auch verlagsseitig nicht angedacht, die beiden Folgebände ebenfalls als Taschenbuch herauszubringen. Ich finde das schade.

Obwohl ich eigentlich die schönen gebundenen Exemplare wirklich besser finde. Aber zum Einen sind die ganz schön teuer (vor allem, wenn man merkt, dass man das Buch gar nicht mag), zum Anderen sind sie schwer. Und ich trage doch so gern meine Bücher überall mit mir herum :)

Tintenherz habe ich nun jedenfalls als Taschenbuch genommen. Der Anfang ist vielversprechen, und vielleicht hat der Verlag ja noch irgendwann ein Einsehen ;)

Was bevorzugt Ihr bei Büchern: gebundenes Exemplar, Taschenbuch oder ganz modern als elektronische Version?

Dienstag, 4. Januar 2011

gelesen: José Saramago, Eine Zeit ohne Tod

"Am darauffolgenden Tag starb niemand."
So fängt der Roman von Saramago an, und führt den Leser direkt in eine seiner Gedankenwelten: Ein Land, irgendwo in dieser Welt, in dem plötzlich niemand mehr stirbt. In den angrenzenden Ländern und auch in der Tierwelt läuft dagegen das Leben (und Sterben) normal weiter. Die Menschen sind verunsichert, sehen sich mit gewaltigen moralischen Auseinandersetzungen konfrontiert, und die Unternehmen, die vom Tod leben (! diese Verbindung wird hervorragend herausgearbeitet!), versuchen eine Lösung für ihr eigenes Überleben zu finden. Doch plötzlich meldet sich der Tod persönlich zu Worte und erklärt seine Beweggründe.

Ein Wechsel der Beobachtungsebene von Erzähler und Leser führt von der allgemeinen Beobachtung des Landes zur Gedankenwelt einer ganz besonderen Person: Tod. Wir lesen über ihre eigene Unsicherheit, als plötzlich ein Mann nicht stirbt, für den eigentlich der Tod vorgesehen war. Und wir erfahren, was passiert, wenn Tod sich verliebt...

Saramago gelingt es, den Leser mit in diese Welt zu nehmen. Plötzlich werden Zusammenhänge bewußt, die sonst einfach nur selbstverständlich waren, bei näherer Betrachtung aber eine ganz andere Bedeutung erlangen. Dabei wird er jedoch nie kitschig. Einfach genial.

Der Stil Saramagos ist gewöhnungsbedürftig, aber dies ist bereits das dritte Buch, das ich von ihm gelesen habe, und ich habe mich daran gewöhnt. Im Gegenteil, ich finde, mit einem anderen Stil wären seine Bücher nicht so voller Dichte. Absolut lesenswert!

Montag, 27. Dezember 2010

Jahresrückblick: gelesen

Und noch ein Jahresrückblick: meine Bücher.

Zur Einstimmung zunächst die Cover (werden nach dem klick größer):


In diesem Jahr habe ich also eine ganze Menge lesen können. Jedes einzelne Buch will ich an dieser Stelle nicht bewerten, sondern nur diejenigen hervorheben, die mir besonders gut bzw. überhaupt nicht gefallen haben.
Wenn Ihr darüber hinaus noch Fragen zu dem einen oder anderen Buch habt, dann schreibt mir doch einfach in die Kommentare ;)

Als besonders hervorragend befunden:
  • Santo Piazzese, Die Verbrechen in der Via Medina-Sidonia: Ein echter Überraschungsgriff. Spannend, witzig, intelligent und kurzweilig. Unbedingt lesenswert!
  •  José Saramago, Der Doppelgänger: Ein echtes Meisterwerk. Der Stil ist gewöhnungsbedürftig, aber die Stimmung, die damit erzielt wird, ist einmalig. Besonders schön finde ich bei Saramago, dass man sich auch nach dem Zuklappen des Deckels noch lange mit der Geschichte auseinandersetzen "muss".
  • Albert Sanchez-Pinol, Pandora im Kongo: Eine Geschichte über eine Geschichte, in der eine Geschichte über eine Vertuschung und Verschwörung erzählt wird. Mehrere Erzählebenen, zwischendrin die Auflösung, die dann doch noch keine Auflösung ist. Einige Höhepunkte, zwischendrin eine Enttäuschung, weil ich vom Autoren mehr erwartet habe, und zum Schluß Begeisterung, weil meine Erwartungen doch noch erfüllt wurden. Der Roman endet tatsächlich erst mit dem letzten Wort...
  • Jorge Bucay, Komm, ich erzähl dir eine Geschichte: Eine Geschichtensammlung zur Selbstreflexion. Schnell gelesen, lange nachgedacht.
  • Andreas Wilhelm, Projekt Babylon/ Projekt Sakkara/ Projekt Atlantis: Eine Triologie, in der Wissenschaft, Legenden, Religion und Fanatismus miteinander verwoben werden. Ein Forscherduo, das in allen drei Romanen den Leser begleitet, und viele alte Bekannte, die immer wieder auftauchen. keine ganz leichte Kost, aber sehr kurzweilig und spannend.
  • Alexander von Humboldt, Das große Lesebuch: Eine Zusammenstellung von Reiseberichten, Briefen, Vorträgen des großen Forschers. Ein Einblick in ein faszinierendes Leben.
  • Alexander von Humboldt, Tagebuch vom Orinoko: Reisebericht der Südamerika-Reise. Obwohl absolut kein Roman, sondern ein recht "trockener" Reisebericht, gespickt mit klimatischen, geologischen und botanischen Sachverhalten, ist man mittendrin. Man hört die Mosquitos, man spürt die stechende Hitze, man fürchtet die wilden Tiere.
  • Ray Bradbury, Fahrenheit 451: Mein absoluter Albtraum: Bücher werden nicht nur verboten, sondern auch verbrannt. Von der Feuerwehr! Die Unterhaltung der Menschen läuft nur noch über Radio und Fernsehen... Diese Zukunfsvision aus den 50er Jahren hat mir ein bisschen Angst gemacht. In so vielen utopischen Romanen steckte letztlich doch mehr als nur ein Funken Wahrheit...
  • Haruki Murakami, Kafka am Strand: Wie so oft bei Murakami wieder die Verschmelzung von Phantasie und Wirklichkeit, von tatsächlichen und unmöglichen Handlungssträngen. Ein Meisterwerk.
  • Carol Berg, Transformation/ Revelation/ Restoration: Die Überraschung des Jahres. Den ersten Teil der Triologie habe ich beim Lieblingsbuch-Wichteln meines Forums bekommen, und war zunächst ein bisschen skeptisch. Fantasy ist nicht so mein bevorzugtes Genre. Aber das hier war so gut geschrieben, dass ich mir auch die beiden anderen Teile besorgt habe und weiterhin begeistert bin. Werde ich bestimmt noch häufiger lesen!
  • Nancy A. Collins, Der Todeskuss der Sonja Blue: Vom Fehlkäufewichteln meines Forums. Ich gebe zu, dass ich vom Cover echt abgeschreckt war und nur das Schlimmste erwartet habe. Umso überraschter war ich, dass es wirklich ein unheimliches, spannendes und gruseliges Buch ist. Eines der besten Grusel-/ Vampirromane, die ich kenne! Vor allem, weil er so völlig untypisch ist.
  • John Boyne, Der Junge im gestreiften Pyjama: Zum Inhalt verrate ich hier nichts, das Buch sollte man völlig unvoreinganommen lesen. Es hat mich eiskalt erwischt, und noch lange beschäftigt. Bitte lesen!
  • Hermann Hesse, Roßhalde: Die Tragik und das Zerbrechen einer Ehe, der Verlust eines Kindes, die Liebe zum eigenen Heim und Boden. Hesse vermag Bilder durch Worte zu malen...
  • Sabine Weigand, Die Markgräfin: Die in einigen Teilen fiktive, in anderen Teilen tatsächliche Biografie der Markgrfäfin Barbara. Ein Stück deutscher Geschichte. Nicht leicht zu lesen, aber sehr informativ.
  • Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick: Ein absoluter Klassiker: zum Lachen schön und zum Heulen traurig. Wilhelm Voigt ist unsterblich! - Für Nicht-Berliner bestimmt schwer zu lesen, aber ein Stück Geschichte wilhelminischer Gehorsamkeit.
  • Felix J. Palma, Die Landkarte der Zeit: Zeitreisen, ihre Durchführung und ihre Auswirkungen. Ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Jack the Ripper oder Bram Stoker. Sympathische Hauptdarsteller, ein bisschen Liebe und viel Verwirrung, die am Ende aufgelöst wird. Ein rundum gelungenes Lesevergnügen!

Als besonders schlecht empfunden:
  • Wolfgang Kemmer (Hrsg.), Mordhöfe: War eine Beilage zu einer Bestellung bei Jokers. Beinhaltet verschiedene Krimis, die im ländlichen Raum spielen. Ich habe selten so viele öde Geschichten auf einmal gelesen. Ganz schlimm.
  • Andrew S. Green, Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli: Gelesen, nachdem ich den Film "Benjamin Button" gesehen habe. Der Film soll ja angeblich auf dem Buch aufbauen. Das konnte ich allerdings nicht erkennen, sondern habe mich die ganze Zeit über die Hauptfigur geärgert, der so besessen von dem armen Mädel war und ihr Leben zur Hölle machte. Übel.
  • Judith Parker (u.a.), Vom Teufel besessen (drei Geschichten): Vom Fehlkäufewichteln in meinem Forum. Ganz schlimme "Grusel"-Geschichten, die nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich völlig daneben sind.
  • Sara Mac Donald, Jenseits des Sommers: Eines der wenigen Bücher, die ich nach der Hälfte nur noch durchgeblättert und dann weggelegt habe. Großer Kitsch, gepaart mit Schmalz und Pathos. Furchtbar.
  • Else Buschheuer, Ruf mich an: Das Buch, das ich nur angefangen habe zu lesen. Und dann weggebracht habe. Auf Nimmer-Wiedersehen.
  • Anna Gavalda, Ich habe sie geliebt: Nicht schlecht, aber ich habe mehr erwartet. Lange Dialoge, keine Handlung. Anstrengend.

Und dann gab es noch all die anderen Bücher, die hier keine namentliche Erwähnung fanden, die mir aber trotzdem sehr viel Freude bereitet haben. Angefangen habe ich noch mit Saramagos "Zeit ohne Tod", da bin ich sehr gespannt. Bin aber recht sicher, dass er noch auf die "besonders hervorragend"-Liste kommt :)
Was sind Eure Bücher des Jahres 2010 - Tops und Flops?
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